Erstellen von Gefährdungsbeurteilung

Hinweise zur Beachtung

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Eine Gefährdungsbeurteilung ist der Prozess der systematischen Ermittlung und Bewertung aller relevanten Gefährdungen, denen die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte während des Unterrichts ausgesetzt sind. Sie basiert auf dem Abgleich von in der RISU-NRW zusammengefassten rechtlichen Vorgaben, die sich aus dem Arbeitsschutzgesetz und nachgehenden Verordnungen (z. B. Gefahrstoffverordnung, Biostoffverordnung, Betriebssicherheitsverordnung) ergeben, mit der realen Situation an Schulen. Hieraus ergeben sich Maßnahmen, die zum Schutz aller vor gesund- heitlichen Beeinträchtigungen zu ergreifen sind.

Die Gefährdung selbst wird ohne Berücksichtigung der evtl. schon vorhandenen oder verwendeten Schutzmaßnahmen beurteilt. Durch den Abgleich mit vorhandenen und verwendeten Schutzmaßnahmen technischer, organisatorischer und personenbezogener Art wird ermittelt, ob diese zum Schutz der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler ausreichen oder ob weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind. Das Ergebnis dieser Beurteilung ist zu dokumentieren, d. h. die notwendigen Schutzmaßnahmen, die für die sichere Ausführung der Tätigkeit bzw. des Experiments mit Gefahrstoffen ergriffen werden müssen, sind in der Gefährdungsbeurteilung schriftlich festzuhalten.

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen können inhalative Gefahren, dermale Gefahren, Brand- und Explosionsgefahren sowie Gefahren durch das Freisetzungsverhalten des Stoffs verursacht werden. Weiterhin spielt für die Beurteilung der Höhe der Exposition die Tätigkeit selbst, das Arbeitsverfahren, die eingesetzte Gefahrstoffmenge und die Dauer und Häufigkeit eine entscheidende Rolle. Die Kombination von Tätigkeit und Eigenschaften der verwendeten Gefahrstoffe ist Grundlage der Gefährdungsbeurteilung.

Die zunächst getrennte Beurteilung der Gefahren durch

  • Einatmen,
  • Hautkontakt,
  • Brand- und Explosionsgefahren sowie
  • Freisetzungsverhalten durch den Gefahrstoff

und die Beurteilung des Arbeitsverfahrens, z. B. Dauer und Häufigkeit der Tätigkeiten, Art des Arbeitsverfahrens, die Substitution sowie weitere Bedingungen (erhöhte Temperatur, besondere Arbeitsschwere usw.), ergeben das komplexe Gesamtbild der Gefährdung. Als weitere Einflussfaktoren können/sollten die Berufserfahrung und experimentelle Erfahrung der Lehrkraft sowie die Zusammensetzung und Reife der Lerngruppe berücksichtigt werden. Die Zusammenfassung aller ermittelten Einzelgefährdungen ergibt die Gesamtgefährdung.

Die sogenannte geringe Gefährdung ist in der Gefahrstoffverordnung verankert und ist das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. Sie ist nicht Eingangsfeststellung, sondern muss nachgewiesen werden.

In der Gefahrstoffverordnung ist dazu ausgeführt:
Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung für bestimmte Tätigkeiten aufgrund

  1. der gefährlichen Eigenschaften des Gefahrstoffs,
  2. einer geringen verwendeten Stoffmenge,
  3. einer nach Höhe und Dauer niedrigen Exposition und
  4. der Arbeitsbedingungen

insgesamt eine nur geringe Gefährdung der Beschäftigten und reichen die nach Gefahrstoffverordnung zu ergreifenden allgemeinen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten aus, so müssen keine weiteren Schutzmaßnahmen nach Gefahrstoffverordnung ergriffen werden.

Bei Tätigkeiten mit geringer Gefährdung kann auf eine detaillierte Dokumentation verzichtet werden. Falls in anderen Fällen auf eine detaillierte Dokumentation verzichtet wird, ist dies nachvollziehbar zu begründen.

Die geringe Gefährdung ist gegeben bei einfachen Tätigkeiten wie Lösen von Kochsalz und Zucker in Wasser, Verwendung kleiner Mengen lösemittelhaltiger Klebstoffe im Technikunterricht etc. Es muss dokumentiert werden, für welche Tätigkeiten bzw. für welche Versuche mit welchen Gefahrstoffen eine geringe Gefährdung ermittelt wurde. Bei der überwiegenden Zahl der Experimente im naturwissenschaftlichen Unterricht kann in der Regel nicht von einer geringen Gefährdung ausgegangen werden. Die beim Experimentieren vorhandenen/ergriffenen Maßnahmen zur Minimierung der Gefährdung bedeuten im Ergebnis Vorhandene Schutzmaßnahmen reichen aus (und nicht geringe Gefährdung!).

Mittlere und hohe Gefährdung sind dementsprechend gegeben, wenn die Bedingungen der geringen Gefährdung nicht erfüllt sind.

Die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung sollte die o. g. Kriterien für Außenstehende nachvollziehbar beschreiben.

Die Fragen

  • Wie kommt das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung zustande?
  • Welche Schutzmaßnahmen zur Vermeidung/Verminderung wurden ergriffen?
  • Sind die durchgeführten Maßnahmen ausreichend oder sind weitergehende Maßnahmen erforderlich?

sollten aus der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung hervorgehen. Die Maßnahmen sollten in der Reihenfolge technische vor organisatorischen und zuletzt persönlichen Schutzmaßnahmen ergriffen werden (T-O-P-Prinzip).

Beim Experimentieren im Gemeinsamen Lernen müssen eventuell zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Dabei sollen Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung möglichst in der Lerngruppe verbleiben und nicht vom Experimentieren ausgeschlossen werden.

Es gibt keine Vorgabe des Gesetzgebers, wie die Dokumentation zu erfolgen hat. Art, Form und Layout können frei gewählt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Dokumentation auch für Außenstehende nachvollziehbar sein muss.

Aus: Handreichung 75: Prävention in NRW